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Seit einigen Jahren habe ich von Christen in Deutschland folgenden Satz gehört: „Irgendwann wird es soweit
sein, dass wir nicht mehr Missionare nach Afrika und Indien schicken, sondern die Missionare werden aus Afrika nach Deutschland kommen, die Deutschen zu missionieren“ Ich bin Hugo Gevers und bin
solch ein Missionar aus Afrika. Meine Frau Jutta ist Deutsche, ebenso unsere Kinder Thomas (15) und Philipp (12). Ich bin in Südafrika aufgewachsen und habe einen südafrikanischen Pass. Meine
Vorfahren sind um etwa 1880 als afrikanische Missionare aus Deutschland nach Afrika gereist. Dort haben sie mit anderen Missionaren und Kolonisten sich heimisch gemacht. Ich bin nun sozusagen
nach 4 Generationen nach Deutschland zurückgekehrt. Allerdings nicht um unter Deutschen zu missionieren, sondern um unter Migranten aus allen Ländern zu arbeiten. Da ich selber Migrant bin, kann ich
die Lage der Migranten in Deutschland sehr gut verstehen. In Afrika war ich auch schon Missionar und habe unter den dort lebenden Indern gearbeitet. Nun werde ich aber doch auch zeitweilig unter
Deutschen in Marzahn arbeiten. Schon am Anfang meiner Tätigkeit in Leipzig habe ich die Missionsgemeinde in Marzahn mit dem Projekt Laib und Seele als nachahmenswertes Projekt
betrachtet. Inzwischen bin ich der Meinung, daß die Arbeit in Marzahn wirklich einmalig ist. Die Gemeinde in Marzahn mit ihrem Pastor H. Neigenfind hat mit dem Projekt Laib und Seele wirklich eine
einmalige Gelegenheit mit grossem Engagement und Erfolg wahrgenommen und durchgeführt. Das geschah nicht ohne Tränen und Enttäuschung. Auch deshalb ist bei mir das Gefühl gereift, daß das
Projekt Laib und Seele und die Missionsarbeit in Marzahn in keinem Fall jetzt einen Einbruch erleben darf.

Nun noch einiges zu meiner Familie. Meine Frau Jutta ist die Tochter des Missionars,
Friedrich Dierks, der als erster Missionar nach dem zweiten Weltkrieg der damaligen „Bleckmarer Mission“ nach Afrika ausgesandt wurde. Jutta ist als Reisekauffrau
ausgebildet und arbeitet in Leipzig als „Check-In Agent“ für Lufthansa. Sie liebt es zu reisen und fremde Kulturen kennenzulernen. Thomas unser ältester Sohn ist
passionierte Segelflugschüler und hofft, daß er an seinem 16. Geburtstag seinen Flugschein bekommt. Philipp unser zweiter Sohn hat Downs Syndrom. Er will zu allen
Zeiten und zu allen Temperaturen nur zwei Dinge: Schwimmen und Eis essen.
Verwandte und Freunde fragen uns des öfteren, ob wir besser in Deutschland oder in
Afrika leben bzw. gelebt haben. Diese Frage kann ich kaum beantworten. Afrika ist ganz anders als Deutschland. Es hat viele Vorteile aber auch viele Nachteile. In
beiden Ländern sind gute Freunde und Verwandte mit denen wir ganz eng verbunden sind. Ich habe manchmal große Angst, daß in Europa ein religiöses Vakuum entstanden
ist. Ich fürchte dann mit welchen Inhalten dieses Vakuum gefüllt wird. Ich muß deshalb ganz oft das alte kirchliche Gebet „Kyrie eleison“ (Herr erbarme dich) beten.
Das Gebet tröstet mich. Übrigens auch, wenn mir selber Fehler und Schwachheiten peinlich bewusst werden. Ich habe in meiner Berufszeit manchmal solche Menschen
erlebt, die selber aus dieser oder jener abgrundtiefen Not, sich in die Hände des lebendigen Gottes gewusst haben, der aus aller Not helfen kann. Wenn ich an diese
Menschen denke, dann finde ich den Beruf des Pfarrers und Missionars den allerbesten Beruf, den es geben kann. Ich hoffe, daß wir gemeinsam diesen Weg, so lang oder
kurz er sein mag, segensreich zusammen gehen können.
Hugo Gevers
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