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Herr Frank Bielefeldt, Jahrgang 1966, aufgewachsen in Ostberlin, 1988 über die Prager Botschaft in die Bundesrepublik geflohen, lebte
einige Jahre in Rheinland-Pfalz, Elektriker, zur Zeit arbeitslos, verlobt mit Karin-Michaela Siemund, die in unserer Gemeinde Vorsteherin ist, Mitarbeiter von LAIB UND SEELE:
Du arbeitest seit Beginn bei "LAIB UND SEELE" mit? Warum? Was sind deine Motive?
Ich habe zuerst davon in der Zeitung gelesen und habe mich dann gleich gemeldet. Mir ist früher selbst geholfen worden. Und jetzt möchte
ich selber etwas tun, den anderen zurückgeben, weil mir geholfen wurde.
Macht dir die Mitarbeit Spaß?
Ja sicher! Ich hänge mit meinem Herzen dran. Vor allem den Umgang mit Leuten, mit Gästen und Mitarbeitern mag ich sehr. Mit anderen reden,
organisieren, sich auf immer neue Leute einstellen, das macht den Reiz für mich aus.
Verstehst du dich als eine Art Vorbild?
Ne, eigentlich nicht. Was ich tue, tun andre auch, das können andere auch. Vielleicht können andere bei mir sehen, daß man viel schafft,
wenn man sich mal anstrengt und sich Mühe gibt.
Was machst du konkret bei LAIB UND SEELE?
Ich organisiere vor allem den Ablauf mit. Ich arbeite anderen Mitarbeitern zu, damit alles reibungslos läuft. Ich bin oft im Lager,
sortiere Lebensmittel, stelle Ware bereit, trinke mit den Kraftfahrern Kaffee, schaue, daß mit der An- und Ablieferung alles klappt . Manchmal fege ich oder schau, daß die Vorschriften des Sicherheitsbeauftragten,
der Hygiene u.a.m. auch umgesetzt werden.
Spielt es für dich eine Rolle, daß LAIB UND SEELE in Gemeinderäumen stattfindet und von einer Kirchengemeinde
mitgetragen wird?
Nein, eigentlich spielt das für mich zunächst einmal keine tragende Rolle. Glaube, Kirche und Pfarrer haben zunächst einmal mit LAIB
UND SEELE nichts zu tun. Das eine ist das eine, das andere ist das andere. Meine Arbeit mit dem Einsammeln und Verteilen von Lebensmitteln hat zunächst einmal nichts mit dem Glauben an Gott zu tun.
Aber trotzdem bist du fast jeden Sonntag im Gottesdienst und bezeichnest dich als "Christ in Ausbildung" oder
"halber Christ mit Glauben". Warum?
LAIB UND SEELE ist Arbeit, wo man schwitzt und buckelt und viel rumtelefoniert. Der Glaube ist ganz anders, etwas ganz Anderes, keine
Arbeit, sondern etwas, wo man nichts machen muß. Im Glauben tut ein anderer etwas für mich. Beides ist gut: Etwas tun und etwas geschenkt bekommen.
Ich habe hier in der Gemeinde Christen kennengelernt, die meine Neugier auf Glaube und Kirche geweckt und gestillt haben. Ich habe mich
schon vorher für Glaube interessiert. Und hier gibt es ein gutes Angebot, mal in den Gottesdienst zu gehen, mal zu gucken, warum ich eigentlich von früher her noch das Vaterunser auswendig kann, mal
reinzuschnuppern, mal mitzudiskutieren.
Beeindruckt war ich, daß es hier keinen gibt, der oben auf der Kanzel steht, die Leute beschimpft und sagt: "Ihr habt alles falsch
gemacht."
Obwohl ich nicht weiß, ob ich getauft bin, erinnere mich als Kind, daß ich schon mal in der Kirche war und daß es da jemanden gab, der
irgendwo da oben stand und immer schimpfte, daß alles falsch ist. Meine Mutter ist dann irgendwann ausgetreten,weil es Querelen gab, als mein Vater gestorben ist.
Das ist in Marzahn ganz anders. Hier ist es nicht zu überladen. Du wirst nicht gleich erdrückt, sondern kannst fragen, kannst nachdenken,
kriegst Antworten. Man wird nicht gezwungen, sondern kann es tun oder lassen.
Könnte man sagen, du stehst mit einem Bein bei "LAIB UND SEELE" mit dem anderen Bein in der Gemeinde?
Ja, so empfinde ich das.
Wenn du erklären müßtest, was im Gottesdienst für dich passiert: Was würdest du sagen?
Ganz einfach! Ich bekomme ein gutes Gefühl, so ein wärmendes Gefühl. Das hat nichts mit der Heizung zu tun, sondern ist eher so innerlich.
Und wenn ich aus dem Fenster schaue, dann scheint da im Gottesdienst die Sonne, obwohl es oft regnet.
Was beim Gottesdienst magst du gar nicht oder findest du merkwürdig?
Eigentlich mag ich alles. Nur manchmal habe ich Angst, daß ich den falschen Ton treffe und falsch singe. Es ist das Ganze, das ich gut
finde: vom Plausch vor der Kirchentür beim Zigaretterauchen vor dem Gottesdienst, die Gebete, die Lieder, die Predigt, der Segen - bis zum Gemeindeseminar und Kaffee hinterher.
Du kennst nun einige Leute in der Gemeinde. Du kennst auch deren Fehler, Ecken und Kanten. Ist das nicht enttäuschend,
daß Christen nicht besser sind?
Überhaupt nicht! Das finde ich nicht störend, sondern eher schön. Denn perfekte Menschen gibt es nicht, auch nicht in der Gemeinde.
Wünschen würde ich mir manchmal, daß der Zusammenhalt untereinander besser werden sollte - in der Gemeinde und auch bei LAIB UND SEELE,
daß man sich außer Lebensmittelverteilen und Gottesdienst näher kommt, nicht nur zusammen arbeitet, sondern sich mehr öffnet. Aber vielleicht passiert da in der Gemeinde doch mehr als ich mitkriege. Ich bin da ja
noch nicht so lange drin.
Aber trotzdem finde ich vieles gut: Zum Beispiel, daß man nicht gezwungen wird, einen bestimmten Betrag als Kirchensteuer abzudrücken. Es
gibt auch sonst keinen Zwang. Man kann Sachen geben und sich einbringen und manches tun und wird nicht unter Druck gesetzt.
Genug gefragt. Zum Schluß habe ich auch mal eine Frage an meinen Pastor: Warum glauben eigentlich auf der Welt so viele Leute an Gott?
Hm, weiß ich auch nicht sofort: Vielleicht, weil es schön ist, mit sich selbst, mit Gott und mit seinen Mitmenschen eins zu sein, im
Reinen zu sein, im Frieden zu leben - jetzt, heute, im Alltag in diesem Leben und im Himmel bei Gott nach dem Sterben und Auferstehen.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
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