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Missionsgemeinde Berlin-Marzahn SELK

 Interviews...

Karin-Michaela Siemund, geboren 1967 in Westberlin, drei Kinder, beschäftigt im Sozialamt Friedrichshain-Kreuzberg, Vorsteherin, Mitarbeit bei den Kirchenmäusen, im Kindergottesdienst und der Gemeindeverwaltung.

Vor knapp zwei Jahren sind Sie aus Rudow, einem Bezirk im Westen Berlins, nach Marzahn gezogen. Bis dahin haben Sie zur Zehlendorfer St. Marien-Gemeinde gehört. Was war bei diesem Wechsel von Wohnort und Gemeinde am schwierigsten und was ist einfacher geworden?

Schwierig war, daß ich mich vor allem bei meiner Familie ständig rechtfertigen mußte, warum ich ausgerechnet nach Marzahn ziehen müsste: "Da laufen schließlich die Nazis ´rum und man kann seine Kinder nicht auf die Straße zum Spielen lassen!" Glücklicherweise haben sich diese Vorurteile nicht bewahrheitet: Mein 7 jähriger Sohn ist viel alleine auf dem Spielplatz, um sich dort mit seinen Freunden zu treffen.

Einfacher ist der Weg zur Kirche geworden. Früher mußte ich eineinhalb Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Das machte es vor allem im Winter schwer, wenn ich mit einem Kind im Kinderwagen und dem zweiten Kind an der Hand zwei mal umsteigen mußte und die Busse keinen Anschluß hatten. Da ist es mir sehr schwer gefallen, morgens aufzustehen und mich auf den Weg zu machen. Jetzt kann ich zum Gottesdienst laufen. Das dauert, wenn wir trödeln, nur 15 Minuten.

Sie haben zwei kleine und ein beinahe erwachsenes Kind (fast) alleine zu versorgen. Sie haben einen anstrengenden Vollzeitberuf und arbeiten nebenher auch noch engagiert in der Gemeinde mit. Woher nehmen Sie die Kraft dafür?

Das weiß ich manchmal auch nicht so genau. Oft sitze ich abends verzweifelt da und weiß nicht weiter. Aber ich habe Vertrauen zu Gott, er hat mir noch immer die Hilfe geschickt, die ich brauchte, um weiter vorwärts zu kommen. Und immer am Sonntag, wenn ich im Gottesdienst sitze, Lieder singe, die Predigt höre, das Abendmahl nehme, habe ich anschließend das Gefühl, als hätte ich alle Kraft der Welt, habe ich doch Zeit gehabt, in mich zu gehen, die Vergebung unseres lieben Herrgotts zu empfangen und alle Geschenke entgegengenommen, die der liebe Herrgott mir sonntags im Abendmahl zuteil werden lässt.   

Am vergangenen Sonntag sind Sie als Vorsteherin eingefürt worden: Was geht Ihnen da so durch den Kopf?

Als ich Ihnen die Hand reichte und gelobte, die Aufgaben als Vorsteherin treu auszurichten, da schoß mir durch den Kopf, daß ich da ziemlich viel Verantwortung übernommen habe. Ob ich das wohl schaffe?

Aber im nächsten Moment waren diese Zweifel wieder weg und ich habe mich sehr über das Vertrauen gefreut, daß mir von der Gemeinde entgegengebracht wird. Ich glaube, das konnte man mir sicher auch ansehen. Ich hoffe, daß ich dazu beitragen kann, für das Wohl der Gemeindemitglieder zu sorgen und das Wachstum der Gemeinde zu fördern.

Stellen Sie sich vor, wir würden heute das Jahr 2014 schreiben. Wie würde die Missionsgemeinde Marzahn  dann aussehen, wenn es nach Ihnen ginge?

In 11 Jahren ist meine jüngste Tochter 15 Jahre alt. Wenn es nach mir ginge, würde ich vor allem dafür sorgen, daß sich die Kinder in der Gemeinde nicht von der Kirche und dem Glauben abwenden, sondern sich auch noch in 11 Jahren zu Hause fühlen.

Die Gemeinde meiner Kindheit ist regelrecht ausgestorben, weil die Kinder plötzlich weg waren. Sicherlich ist es auch wichtig, sich um die älteren Gemeindemitglieder zu kümmern. Aber ich denke, daß man dabei gerade die Kinder einbeziehen muß und die älteren Gemeindemitglieder genauso wichtig sind, wie die Kinder. Wenn z.B. die Erwachsenen, die keine Kinder (mehr) haben, gerade auch zu den Familiengottesdiensten kommen, die bei uns ja regelmäßig stattfinden, dann haben die Kinder auch das Gefühl, daß sie wichtig sind.

Deshalb kann ich nur auffordern, gerade zu diesen Gottesdiensten zu kommen, auch wenn es alles ein bißchen kindgerechter ist und die Predigt keine Ansprüche an die Gottesdienstbesucher zu stellen scheint.

Ich hoffe, die Kindergottesdienste der Missionsgemeinde Marzahn werden im Jahre 2014 von mindestens genausovielen Kindern besucht, wie im Jahre 2004. Und ich hoffe, daß die ältere Generation mit den Kindern in der Gemeinde gemeinsam Gottesdienste feiern wird und ein gemeinsames Gemeindeleben stattfindet.

Stellen Sie sich doch mal bitte vor, Sie wären eine Festung. Was wäre Ihr Schwachpunkt als Christ?

Mein Schwachpunkt als Christ ist, daß ich im Gespräch mit Nicht-christen über Gott viel zu oft Dinge erzähle, die am Anfang besser unerzählt geblieben wären, weil es zu schwierig oder zu hoch war - für den Anfang. Oft will ich gleich alles sagen. Und damit überzeuge ich die Leute gar nicht: Sehr oft sagen mir andere Menschen, daß sie ja doch Recht hätten, daß sie nicht in der Kirche sind und die Christen und die Kreuzzüge und den Papst alle in einen Topf zu schmeißen sind. Weniger ist oft mehr. Und Vorleben bewirkt mehr als 1100 Worte.

Was gefällt Ihnen in unserer Gemeinde überhaupt nicht? Was ärgert Sie? Was vermissen Sie?    

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Was mögen Sie besonders? Was macht Ihnen Freude?

Ich mag die Lieder im Gottesdienst, denn ich singe gerne in der Gemeinschaft (auch wenn ich nicht besonders gut singen kann), Gespräche nach dem Gottesdienst bei einer Tasse Kaffee, wenn die Kinder im Garten herumtollen und nicht nörgeln, weil das Mittagessen nicht um 12 Uhr auf dem Tisch steht (Tut es bei uns sowieso nie!).

Ich mag die Sonne, wenn sie mir im Frühling ins Gesicht scheint und ich mir mit geschlossenen Augen vorstelle, es wäre bereits Sommer.

Freude macht es mir, wenn ich in die Kirche komme und noch eine Stuhlreihe anbauen muß, damit wir einen Sitzplatz haben.

Freude bereitet es mir, wenn ich abends nicht zu müde bin, um noch ein schönes Buch lesen zu können und wenn meine 15 jährige Tochter behauptet, daß ich die beste Mutter der Welt sei.

Wenn Sie Ihrem Pastor mal einen Verbesserungsvorschlag machen würden, welcher wäre das? Wo hat Ihr Pastor Defizite?

Verbesserungsvorschläge fallen mir gerade keine ein.

Ich kann auch ziemlich aufmüpfig sein! Auch die Frage eben nach den Defiziten beantworte ich nicht! Wenn ich da ´was feststellen sollte, dann sag´ ich es Ihnen unter vier Augen.

Beenden Sie doch bitte die folgenden Sätze!

Jesus Christus ist heute...
...
eine Freude für jeden Christen.

Die Gottesdienste unserer Gemeinde...
...sind sehr lebendig.

Die Missionsgemeinde in Marzahn ist eine Kirche, in der...
...man alle Arten von Menschen trifft: Alte, Junge, Christen, die grad erst dazu gekommen sind, Christen, die es schon immer waren und Nichtchristen.

Ich befürchte, daß meine Gemeinde...
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Ein Christ sollte nicht vergessen...
...sich Jesus als Vorbild zu nehmen, vergeben und nicht nachtragend sein.

Herzlichen Dank für die Antworten!
 

Kontakt zu Karin-Michaela Siemund: 030 / 6666 83 52
e-mail:
selkie_in_marzahn@gmx.de