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Almut Neigenfind, geboren 1966 in Cuxhaven, aufgewachsen in Oberursel und Bad Homburg v.d.H., verheiratet, fünf Kinder, Erzieherin, Hausfrau und
Mutter, leitet die Kirchenmäuse und ist Mädchen für alles in der Gemeinde.
Im Jahr 2000 kam die Anfrage, ob wir eine neue Arbeit in Marzahn beginnen wollen. Marzahn ist zwar der schönste Stadtteil
Berlins. Es gibt aber trotzdem häßliche Hochhäuser, soziale Brennpunkte und sehr viel Arbeit. Was hat dich dazu bewogen in Marzahn mitzuarbeiten?
Erst mal wollte ich gar nicht nach Marzahn ziehen, weil ich nur schlechte Sachen über diesen Stadtteil gehört hatte. Richtig überzeugt war ich erst,
nachdem ich hierhergezogen war. Zunächst habe ich gemerkt, daß Marzahn wirklich schön ist - gerade für unsere Kinder. Es ist alles sehr grün. Und es gibt immer Wind.
Viel wichtiger für mein Engagement war aber die große Unkenntnis der Leute hier. Vor allem bei der Kinderarbeit habe ich gemerkt: Die allermeisten
Kinder wissen wirklich überhaupt nichts von Gott. Sie hören von ihren Eltern: "Gott gibt's eh nicht! Das ist wissenschaftlich bewiesen. Das ist alles Quatsch!"
Ich helfe dabei mit, daß auch solche Mensch Gottes Hilfe, Gottes Halt und Trost positiv kennenlernen, sich darauf einlassen und fröhliche Christen
werden.
Wichtig sind mir im Nachhinein viele Gespräche mit den anderen Mitarbeitern geworden: Ich habe erst nach und nach verstanden, wie wichtig es ist, daß
alle Menschen - nicht nur SELKies - Gott vertrauen, zu ihm finden und gerettet werden.
In anderen Gemeinden geht man in den Gottesdienst, macht sein Ding, lebt unter sich und trifft immer die gleichen Leute. Oft ist man sich selbst genug.
Ich habe nach und nach gelernt, wie wichtig und wie schön und anstrengend es ist, Außenstehende anzusprechen und einzuladen. Sicher bin auch ich manchmal mutlos und frustriert, wenn die Arbeit nicht so läuft, wie
ich mir das wünsche. Sicher habe auch ich manchmal keine Lust mehr. Oft sind Besucher aus anderen SELK-Gemeinden hier, die fast ausnahmslos in einer heimlichen Ecke ihres Herzens ein wenig verbittert,
enttäuscht und mutlos sind, weil in ihren Gemeinden neue Leute nicht gewollt werden oder auf Ablehnung stoßen, weil sie anders sind. Die sagen oft: Eure Gemeinde ist irgendwie anders als unsere. Ich kann den
Leuten nur Mut machen: Was wir hier in Marzahn machen, geht auch überall anderswo. Wenn man bei Christus bleibt, sich von ihm tragen und leiten läßt und eine gehörige Portion Treue und Geduld mitbringt, kann das
Reich Gottes überall - auch über die eigenen Gemeindegrenzen hinweg - gebaut werden.
Dein Arbeitstag beginnt 6.30 Uhr und endet selten vor 21 Uhr. Was gibt dir Kraft für Deine Arbeit in der Gemeinde und Familie?
Es ist für mich überhaupt kein Problem, den ganzen Tag über zu arbeiten. Es nervt mich wirklich unglaublich, wenn mich die Leute deshalb bedauern,
weil ich so viel zu tun habe. Ich bin gerne Mutter und arbeite gerne in der Gemeinde mit! Es ist eine Auszeichnung und ein großes Geschenk von Gott, Kinder zu haben! Ich habe eine wirklich abwechslungsreiche,
dankbare Arbeit. Und ich ruhe mich nachts aus, in den Ferien oder wenn ich mal Mittagsruhe mache. Meine Arbeit ist nur eine geringe Last, aber eine große Freude. Anstatt bedauert zu werden, würde ich viel
lieber mal von jemandem ins Kino, zu einer Austellung oder zum Abendessen eingeladen werden. (Mein Mann paßt dann auf die Kinder auf.)
Was gibt mir Kraft? ...daß ich nicht alleine arbeite, daß Gott mir hilft, daß er bei mir ist. Darum gehe ich auch gerne in den Gottesdienst und
die Bibelstunde, weil ich im Alltag Gott zu oft vergesse. Da werde ich gut daran erinnert. Und ich merke, daß Gott da ist.
Wie würde die Missionsgemeinde Marzahn in zehn Jahren aussehen, wenn es nach dir ginge?
Es wäre schön, wenn mehr Leute kommen, die gerne in der Gemeinde sind, die einander helfen, die miteinander leben und beten, feiern und aufeinander
hören. Es wäre schön, wenn die Gemeinde auch in zehn Jahren immer noch offen für Fremde, Neue und Anfänger ist - so wie jetzt. Dafür bin ich sehr dankbar, daß heute alle mitziehen. Schön, wenn es so bliebe.
Es wäre gut, wenn man auch noch im Jahr 2014 gerne Leute aus Marzahn in die Gemeinde einlädt.
Was würdest du jemandem sagen, der denkt: "Was die da tun kann ich nicht! Bei mir ist alles so grau und hoffnungslos. Ich
werde ja gar nicht gebraucht! Ich kann das bei mir überhaupt nicht"
Ich würde sagen: Das ist Quark! Jeder wird gebraucht - in seiner Gemeinde, seiner Nachbarschaft, seinem Ort! Neben Arbeit, Beruf, Familie und dem
alltäglichen Durcheinander ist es die beste Sache der Welt, Menschen dabei zu helfen, Christus zu entdecken. Wenn jemand zu Hause sitzt, alt oder gebrechlich ist, kann er für andere beten, kann vielleicht andere
anrufen oder Briefe schreiben. Wer gesund, jung und fit ist, kann einladen, weitersagen, in der Gemeinde den Pastor unterstützen, Besuche machen ... Es gibt soviel zu tun, im Kleinen, Verborgenen und Stillen, aber
auch in der Öffentlichkeit.
Was ärgert dich in der Missionsgemeinde Marzahn? Was würdest du gerne ändern oder verbessern?
Es arbeiten wirklich viele Leute mit. Es wird immer besser. Aber oft stehen dann doch nur die dieselben fünf Leute in der Küche und im Garten. Oft
wird mir versprochen, daß jemand mir hilft. Aber dann ist doch niemand da. Das ärgert mich, daß es in der Gemeinde nicht allen ein Herzensanliegen ist, mitzuhelfen. Das ist aber wohl in allen Gemeinden so, oder?
Es wäre auch mal ganz schön, wenn die Bibliothek fertig werden würde. Im Großen und ganzen muß ich aber sagen: Ich ärgere mich kaum. Die
Entwicklung ist erfreulich. Es gibt viele Helfer, die mit anpacken und mittun. Ich freue mich Gemeindeglied und Mitarbeiter in Marzahn zu sein!
Stell dir vor, du wärst eine Festung. Was wäre Dein Schwachpunkt als Christ?
Ich neige dazu, zuerst Hilfe von anderen zu erwarten. Aber anderen Hilfe zu geben, steht leider oft zu weit im Hintergrund.
Ich bin ja nicht nur dein Mann, sondern auch dein Gemeindepastor. Was sollte ich in meiner Amtsführung anders machen als bisher?
Es wäre gut, wenn du mehr Beusche machen könntest, so wie du es dir immer wünschst. Ein bißchen weniger Büroarbeit wäre gut. Aber zum Delegieren
gehören ja immer zwei.
Beende doch bitte die folgenden Sätze!
- Jesus Christus ist heute... ...der Anker, der mich festhält.
- Die Gottesdienste unserer Gemeinde... ...sollen so fröhlich bleiben, wie sie sind.
- Die Missionsgemeinde in Marzahn ist eine Kirche in der... ...jeder willkommen ist.
- Ich befürchte, daß meine Gemeinde... ...irgendwann schläfrig und selbstzufrieden wird.
- Ein Christ sollte nicht vergessen,... ...Gott zu
danken, daß er nicht allein an Jesus glaubt, sondern mit anderen Christen gemeinsam im Glauben lebt.
Herzlichen Dank für die Antworten!
Kontakt zu Almut Neigenfind: 030 / 930 24 126 e-mail: h.neigenfind@gmx.de
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