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Hans Nischik, geboren 1948 in Böhrigen (Sachsen), verheiratet mit Ruth Nischik, Kindheit und Jugend in der lutherischen sächsischen Landeskirche, zwei
erwachsene Töchter, vier Enkelinnen, selbständiger Elektroinstallateur und Lichtberater, Vorsteher.
Herr Nischik, Sie haben sich vom Beginn an bis heute sehr intensiv am Aufbau der Missionsgemeinde in Marzahn beteiligt. Was treibt
sie dabei an?
"Wenn der Herr nicht das Haus baut, arbeiten die Bauleute umsonst." Das habe ich in 40 Jahren DDR live erlebt. Diese Aussage der Schrift
betrifft jedoch nicht nur die DDR-Zeit sondern auch die Politiker, Christen und Nichtchristen in unserer Bundesrepublik und sie bezieht sich nicht nur auf den Staat, auch auf jedes "Lebenshaus", das der
einzelne aufbauen will und aufbaut.
Deshalb sehe ich es als sehr wichtig an, Menschen eine Alternative zum Leben ohne Gott aufzuzeigen. Es ist gut zu wissen, woher man kommt, wem man
verantwortlich ist und daß die "Grube", in die wir einmal fahren werden nicht das Letzte sein muß.
Konkret hat mich eigentlich Frau Müller aus der Augustana-Gemeinde nach Marzahn abgeworben. Wahrscheinlich bin ich durch mein überdurchschnittliches
Bibelarbeits-Interesse aufgefallen. Am damaligen Gespräch mit dem Vikar Neigenfind - es ist nun vielleicht schon 5 Jahre her - fiel mir besonders auf, daß er ohne Vorbedingungen Mitarbeiter für Marzahn suchte. Da
konnte ich halt nur "ja" sagen.
Warum sollte ein Nichtchrist Kontakt zu unserer Gemeinde bekommen?
Ich hoffe und wünsche, daß Nichtchristen in unserer Gemeinde erfahren, daß Jesu Christus ein sinnerfülltes Leben auch bei allen Unzulänglichkeiten, mit
denen wir zu tun haben, möglich macht.
Wir leben in einer Zeit der frischen Fassaden. Ich bemerke das als Handwerker oft, daß sich hinter den schönen Fassaden vieler Häuser stark
sanierungsbedürftige Bausubstanz befindet. Bei den Menschen ist´s doch auch so: Hinter einer Maske, durch die keiner hindurchsehen kann, verbergen sich Sorgen, Unzufriedenheit, Angst und Schuld. Sie sind auch
sanierungsbedürftig. Das kann aber nur Gott tun.
In unserer Gemeinde sollte es möglich sein, sich mit offenem Visier zu begegnen also mit anderen auch über seine Nöte sprechen zu können. Da es ja zum
Glück nicht nur Nöte gibt, kann man in einer Gemeinschaft von Christen auch Freude miteinander teilen ohne gleich den Neid des anderen fürchten zu müssen.
Was gibt ihnen Kraft?
Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich denke, ein erfülltes Leben ist immer mit Anstrengungen verbunden. Mein Konfirmationsspruch heißt:
"Kämpfe den guten Kampf des Glaubens und ergreife das ewige Leben, dazu du auch berufen bist!" Ich empfinde ihn als Auftrag und Zuspruch von Gott. Wenn Gott mir diesen Auftrag durch meinen damaligen
Pfarrer hat geben lassen, so wird er mich auch mit der nötigen Wegzehrung also Kraft ausrüsten.
Wie würde die Missionsgemeinde Marzahn in zehn Jahren aussehen, wenn es nach ihnen ginge?
Es geht überhaupt nicht nach mir. Die Gemeinde - das Haus baut ein anderer.
Ich wünschte mir eine gewachsene, selbständige Gemeinde, die den Pfarrer als Alleindarsteller überflüssig macht. Ich meine damit: Es sollte für keine
Gemeindeveranstaltung bei Abwesenheit des Pastors (Krankheit, Urlaub) eine Vertretung gesucht werden müssen. Der Missionar sollte übergemeindlich geistlicher Berater sein - denn geistlich gesehen ist
Marzahn überall in Deutschland.
Sie kommen jede Woche - trotz einer Stunde Fahrzeit - in die Bibelstunde. Warum?
Bibelstunde scheint ein abgegriffenes Wort zu sein. Es beschreibt aber treffend was da gemacht wird: Man beschäftigt sich eine Stunde oder länger mit
Gottes Wort, treibt also Bibelarbeit.
Es macht mir Freude, mit anderen in der Bibel zu lesen und mich mit ihnen über das Verständnis oder die Erkenntnisse auszutauschen. Schließlich sind ja
die Erkenntnisse auch auf Grund unterschiedlicher Lebensläufe verschieden.
Die Bibelarbeit ist mir etwas Erfreuliches, keine Belastung. Ich empfinde übrigens die Bibelstunde als einen Gradmesser für das geistliche Leben einer
Gemeinde.
Was ärgert sie in der Missionsgemeinde Marzahn? Was würden sie verbessern?
Ich habe überhaupt keinen Grund, mich über die Marzahner Gemeinde zu ärgern. Wir sind nicht Gemeinde, weil wir uns menschlich alle so prima finden und
glänzend miteinander auskommen müßten wie "alle Tage Sonnenschein".
Wir sind Gemeinde Jesu Christi, weil wir auf seinen Namen getauft sind und auf seine Verheißungen hin unser Leben auch als Gemeinde leben.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Natürlich ist es auch sehr schön, wenn wir menschlich guten Kontakt zu- und miteinander haben.
Wenn sie einen Wunsch an die Kirchenleitung frei hätten, was würden sie sich wünschen?
Nun, der Wunsch könnte sein, daß die Kirchenleitung einmal im Jahr in Marzahn tagt und dann an einem Abend an der Marzahner Bibelstunde teilnimmt.
Stellen sie sich vor, sie wären eine Festung. Was wäre ihr Schwachpunkt als Christ?
Erstens bin ich auch in meinen Vorstellungen keine Festung. Ich würde mich auch bei dieser Frage auf die erste Antwort beziehen:Wenn denn Gott seine
Zusage, die er mir in der Taufe gegeben hat, hält und er mein "Haus" baut, dann gibt es keine Schwachstellen. Oder doch? Den "alten Adam" der vielleicht nicht durch tägliche Reue und Buße ersäuft
wird?!
Was würden sie denken, wenn sie sonntags verschlafen und erst viertel nach zehn aufwachen, der Gottesdienst in Marzahn also schon
begonnen hat?
Ganz einfach: Mensch, da hab´ ich aber mal gut ausgeschlafen. Zum Gottesdienst brauche ich nicht mehr zu fahren, der ist eh vorbei. Kannst ja im
Fernsehen einen Gottesdienst ansehen über den du dich wahrscheinlich doch ärgern wirst.
Was sollte ich als ihr Pastor in meiner Amtsführung anders machen als bisher?
Sie haben mir bei Strafe verboten, mich lobend über Ihre Predigt zu äußern. Von daher werde ich mich hüten, hier Kritik an Ihrer Amtsführung zu üben.
;-)
Beenden sie doch bitte die folgenden Sätze!
Jesus Christus ist heute... ...wichtiger denn je.
Die Gottesdienste unserer Gemeinde... ...werden nicht ohne Wirkung bleiben.
Mission in Marzahn bedeutet... ...Arbeit im Vertrauen darauf, daß Gott Menschen auch heute noch rufen will.
Ich bin gerne Vorsteher in der Gemeinde, weil... ...sie mir diesen Satzanfang so vorgeschrieben haben. ;-)
Im Vergleich zu meiner Kirche aus der ich ursprünglich stamme, ist die SELK... ...eine Kirche, in der man sich noch auf die Worte der Bibel und die Bekenntnisschriften berufen kann.
Ich befürchte, daß meine Gemeinde... ...Diesen Satz kann ich nicht vollenden. Wenn die Gemeinde eine Gemeinde Jesu Christi ist und bleibt, gibt´s nichts zu befürchten.
Ich bin gerne Christ,... ...weil ich keine
Alternative habe.
Ein Christ sollte nicht vergessen,... ...daß er teuer erkauft ist. Gerade die Passionszeit möge uns daran erinnern: Da wurde der Mensch Jesus für uns gequält und umgebracht. - Wenn ich mir dessen bewußt bin, kann ich mir im Vertrauen auf die Gnade und Vergebung keinen leichtfertigen, flotten Lebensstil leisten. Verantwortlich vor Gott leben - da ist auch viel eigenes Bemühen. Am Anfang und am Ende des eigenen Bemühens steht die Gnade und Vergebung. Es ist eine sehr teure, keine billige Gnade!
Herzlichen Dank für die Antworten!
Kontakt zu Hans Nischik über http://home.ngi.de/hansnischik oder e-Mail: HansNischik@ngi.de
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