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  Geschichten aus Marzahn - Was bei uns passiert...

Bauwagenlieferung

Das war wirklich ein Riesentheater! “Wir kommen heute abend!”, versprach mir der Lieferant des Bauwagens. Bis 22 Uhr wartete ich: kein Bauwagen, kein Anruf - nichts! “Wir kommen am Freitag nachmittag!”, war die Auskunft am nächsten Morgen - ein Trupp Kirchenindianer stand voller Vorfreude im Garten herum: kein Bauwagen, kein Anruf - nichts! “Wir bringen ihn am Sonnabend.” - kein Bauwagen, kein Anruf - nichts! “... am nächsten Montag...!” - kein Bauwagen, kein Anruf - nichts!

Fast zehn Tage hing ich jeden Tag mehrmals am Telefon, ließ e-Mails auf den Verkäufer herabprasseln - nichts half. Zuletzt habe ich mit einer Anzeige gedroht. Und siehe da: Nur einen Tag später stand der Bauwagen vor dem Haus, “Wo soll er´n hin, Meesta?”, fragte mich der Verkäufer tönend. - Ich wehrte ab: “Lassen sie ihn da ruhig stehen. Ich hätte ihn gern im Garten, aber der ist so naß und matschig. da können sie nicht reinfahren. Da bleiben sie drin stecken.” -

“Meesta, null problemo. Da blei´m wir niemals nich´ drin stecken. Lassen ´se die Profis ma´mach´n, Meesta!” - sprach´s, rauschte mit seinem LKW in den Garten -
den Bauwagen im Schlepptau - und... blieb stecken!

Neun volle Stunden später - es war inzwischen 22 Uhr und stockdunkel - beendete der Verkäufer vorläufig seine vergeblichen Bemühungen, den LKW aus dem Matsch zu befreien. Neun Stunden hatte er gegraben und gewühlt, Bretter untergelegt und Hilfsfahrzeuge angefordert...

Um 22 Uhr zog er erst mal ab. Die Hinterachse seines LKWs war etwa einen Meter tief bis zur Oberkante des Reifens vollständig eingegraben und eingewühlt in die matschige Erde.

Am nächsten Morgen rückte ein beladener (!) 19-Tonnen-LKW an, fuhr rückwärts in unsern Garten, blieb beinahe stecken, schaffte es dann aber doch, den eingebuddelten LKW herauszuziehen.

Alle freuten sich - auch ich, bis ich einen Blick auf meine ehemalige Wiese warf - die Hälfte war Matsch, tiefe Radspuren, zwei mehr als knietiefe Löcher, herausgerissene Grasnabe auf etwa 200 Quadratmetern, ein beschädigter Baum, ein plattgewalzter Rhododendron, weggebrochene Pflastersteine...

Ich stapfte durch das Chaos, und meine Freude kühlte schnell ab. Der Bauwagen stand friedlich im größten und tiefsten Matsch, der einmal unser Gemeindegarten gewesen war.

Nun liefere ich mir seit Tagen einen gepfefferten Briefwechsel mit den beteiligten Firmen, damit die unsern Garten wieder herstellen.

Ich war sauer - wirklich stinksauer - bis zum vergangenen Freitag: Herr Friedrich hatte sich nämlich eine Woche lang emsig zu schaffen gemacht: Er hatte die gammligen Sitzbänke herausgeschraubt, die alte Gasheizung und die Leitungen demontiert, eine Tür in die Zwischenwand gesägt und wunderbar mit handgeschnitzten Leisten verziert, die Löcher zugespachtelt, das Abluftloch der Heizung professionell verschlossen, himmelblaues Linoleum verlegt, Scheuerleisten angebracht, die Wände angeschliffen...

Am Freitag saßen die Kirchenindianer nun zum allerersten Mal breit grinsend wie die Honigkuchenpferde auf dem Fußboden ihres Bauwagens. Ich hatte ein paar Fußmatten und viele bunte Kissen besorgt, damit wir nicht direkt auf dem eiskalten Fußboden sitzen mußten. Und so hockten wir warm, trocken und freudestrahlend ganz standesgemäß auf dem Fußboden. Die Kinder waren begeistert!

Zwar fehlen noch die Lampen, die neue Elektroheizung und der quietschegelbe Innenanstrich, die Garderobe und das Regal, aber das tat der Begeisterung keinen Abbruch: Die Kinder rutschten aufgeregt hin- und und her, kicherten und quasselten, klopften prüfend an die Wände und waren sich einig: “Pastor, das ist ein echt cooler Wigwam! Voll stark, ey!”

Wir bastelten weiter an unserer Indianerkette, besprachen die Bedeutung der verschiedenen Perlen und Anhänger, schmiedeten uns ein paar Hamburger, die wir im Schneidersitz verdrückten und schauten uns dann den Anfangsteil eines Bibelfilms auf dem Laptop an. Es war ein bißchen kalt, aber wirklich sehr schön!

Noch einmal ein herzliches Dankeschön, nach Hermannsburg, Kassel und an alle anderen Leute, die uns geholfen haben unseren Bauwagen zu bekommen und auszubauen!