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Geschichte 2: Feindesliebe
Das Mädel war richtig sauer: „Ich hasse Frau D.!“ Ich runzelte meine Stirn heftig und fragte nach: „Nur weil sie dir andauernd Fünfen in Mathe
gibt, haßt du sie?“ Das Gesicht zur Faust geballt (Das hat sie vom Vater, oder?) bellte sie: „Ja! Die mag mich nicht. Die gibt mir nur immer Fünfen.“ Ich appellierte ein wenig an ihren Verstand: „Aber du hast das kleine Einmaleins doch nicht gelernt. Du hast dich doch gedrückt. Was kann die gute Frau denn für deine Fehler?“
Ich kam nicht durch, denn das Mädchen antwortete nach kurzen Nachdenken: „Okay. Ich hasse sie trotzdem!“ Jetzt wollte ich es aber genau wissen: „Ist Frau D. dein Feind?“ Wie aus der Pistole geschossen
kam die Antwort: „Ja! Die ist mein allergrößter Feind!“ Nun wurde es mir doch ein wenig zu heftig: „Was machen Christen mit ihren Feinden?“ Achselzucken. „Weiß ich nicht!“, antwortete sie bockig.
Ich erklärte es ihr: „Wir sollen unsere Feinde liebhaben, sagt Jesus.“ Sie guckte mich entgeistert an: „Liebhaben? Aber ich hasse sie!“ Ich mußte lächeln: „Na und? Kauf ihr doch mal eine leckere Tafel
Schokolade und schenk sie ihr mit ein paar freundlichen Worten.“ So richtig begeistert war sie ja nicht: „Ich versuch´s!“ Drei Tage lang brachte sie die Schokolade mittags immer wieder nach Hause
zurück. Sie hatte sich nicht getraut. Aber am vierten Tag bog sie freudestrahlend um die Ecke: „Ich hab´s gemacht! Sie ist jetzt doch nett zu mir. Frau D. hat sich gefreut.“ Ich lobte das Mädel über den grünen
Klee und fügte noch ein paar fromme pädagogische Bemerkungen an. Alles war wieder gut. In der nächsten Mathearbeit gab es nur noch eine Drei und keine Fünf mehr. Wieder freundlich lächelnd stapfte sie morgens in die
Schule. Drei Tage später saß ich der Lehrerin im Klassenraum gegenüber. Die Lehrerin wirkte etwas ratlos: „Wochenlang war das Mädchen pampig, bockig und maulte ´rum. Aber plötzlich ist sie ganz nett, verschenkt
Schokolade und alle verstehen sich blendend. Können Sie mir diesen Wandel erklären?“ „O, das ist einfach.“, erklärte ich ihr schmunzelnd: „Sie ist Christ. Ihre Mathelehrerin war bisher ihr größter
Feind. Und nun hat sie gelernt, sie ein bißchen liebzugewinnen.“ Die Lehrerin guckte wegen dieser Antwort ein bißchen erstaunt, nickte dann aber erfreut und lächelte.
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