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Brandschutz und Abendmahl
Wir saßen im Tischtennisraum und feierten Abendmahl. Auf der Station gab es kein anderes Zimmer, wo wir ungestört sein konnten. Und so baute ich
Kruzifix, Kelch und Kerzen auf einem Tischchen neben der Tischtennisplatte auf.
An der Wand stand ein ungemachtes Krankenbett, einige Stuhlstapel, ein Heimtrainer, zwei zusammengeklappte Rollstühle. Und
dazwischen saßen wir und feierten Abendmahl.
Als wir gerade so schön sangen und richtig bei der Sache waren, trottete ein blaubekittelter Pfleger außen an der Glaswand vorbei, sah zu uns herein, stoppte
abrupt, riß die Tür auf und bellte uns an: "Machen sie sofort die Kerzen aus!" Ich klappte mein Gesangbuch zu und wollte gerade zurückbrüllen, beschränkte mich aber auf ein kurzes: "Nein!" -
Er schluckte: "Das ist wegen dem Brandschutz." - Ich startete noch einen zögerlichen Versuch: "Aber es sind nur zwei kleine Kerzen. Und ich bin ja auch hier. Und ich mache sie auch gleich aus. Keine
Sorge wegen des Brandschutzes!"
Er blieb hartnäckig: "Die Kerzen müssen aus. Sonst kriege ich Ärger mit dem Chef." Na das wollten wir dann doch auch nicht. Brav bliesen wir die
Lichtlein aus und schauten dem Rauch hinterher, der sich zur mindestens fünf Meter hohen Decke verzog. Ich wollte mit ihm erst noch erörtern, ob er sich denn als langjähriger Pfleger auf der Psychiatrie eine
"pyrotechnische Neurose" zugezogen hätte oder eine "religiös-sakrale Autoritätspsychose" habe. Aber ich dachte, daß würde Jesus jetzt gar nicht gefallen, wenn ich den Brandschutzbeauftragten
der Psychiatrie auf die Schippe nehmen würde.
Und dann machten wir klaglos weiter: Auf Kerzen kommt´s ja sowieso nicht so an. Wichtig ist, was im Kelch und auf dem Silbertellerchen ist: Christi wahrer Leib
und Blut unter Brot und Wein. Und wichtig ist, ob wir darauf warten und vertrauen, daß Christus uns dadurch "Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit" (Kleiner Katechismus) schenkt. Und das geschah
sicher: Christus kam zu uns. Der Himmel war offen. Und alles war gut - auch ohne Kerzen.
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