|
Halloween
Da war dann doch ein deutliches Rumoren zu hören. Nicht laut und scharf, aber doch viele bohrende Fragen am Telefon, in meinem e-Mail-Postfach und in
der Kirchentür: "Was macht´n ihr da? Halloween feiern in Marzahn? Ist Halloween nicht satanistisch? Müßt ihr denn jeden neumodischen Kram mitmachen? Das ist doch heidnisch!"
Zugegeben - eine
Andacht zu Halloween in einer lutherischen Kirche ist eine Neuigkeit! - So neu, daß sogar die Wochenzeitung ideaSpektrum ("Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt") in der nächsten
Ausgabe über das lutherische Halloween in Marzahn berichten wird.
Natürlich feiern wir in unserer Kirche kein satanistisches, heidnisches Fest. Wir sind schließlich Christen! Aber rings um uns her wird
Halloween von Jahr zu Jahr wichtiger: Im Warteraum des Arztes ist alles voller Gespenster und Kürbisse. Im Brötchenregal in der Kaufhalle liegen süße Halloweenkugeln. Die Kinderüberraschungseier haben eine neue
Halloweenverpackung. Die Kinder planen eifrig Touren durch die Straße, um Süßigkeiten zu ergattern. Das Fernsehen macht ein Halloweenprogramm mit Horrorfilmen. Kurz und schlecht: Halloween ist das deutsche
Hauptfest zwischen Sommerferien und Weihnachten geworden.
Und was machen wir als Christen nun? Alles ignorieren, Augen zu, leise maulen, den Kindern alles verbieten? Mitmachen wollen wir sicher nicht. Aber
was dann?
"All hallows eve-ning",woraus später das Wort "Halloween" wurde, ist ursprünglich der Vorabend vor dem alten kirchlichen Fest "Allerheiligen". Halloween ist der
Gedenktag der Heiligen. Und Allerheiligen mag ich nicht. Ich komme nämlich aus der Altlutherischen Kirche. Und Allerheiligen wurde da größtenteils für "katholisch" gehalten. Aber in der Not blättert
der Altlutheraner im "Evangelisch-Lutherischen Kirchengesangbuch" (ELKG). Und was findet mein zorniges Auge da unter der Nummer 096? Richtig! Den "Gedenktag der Heiligen". Und schau an! Halloween
ist im Kern wirklich Allerheiligen. "Die Heiligen haben überwunden durch des Lammes Blut und haben ihr Leben nicht geliebt bis hin zum Tode" beginnt das Eingangsgebet. Da haben wir es! - das Blut, das bei
Sat1 vom Bildschirm trieft! Leider völlig falsch verstanden! Und den Tod! Und in der Epistel zum Tag wird in der Offenbarung des Johannes von den Heiligen berichtet, die in weißen Gewändern vor dem Thron Gottes
stehen, nachdem der Tod besiget wurde. Da haben wir die Gespenster und Skelette aus dem Supermarktregal! Wieder völlig mißverstanden!
Was sollen wir tun? Wollen wird der vereinigten deutsch-amerikanischen
Film-, Kostüm-, Back-, Süßwaren- und Dekorationsindustrie das Feld und eine entkirchlichte Deutungshoheheit überlassen? Die haben den christlichen Kern des Festes entfernt und lassen ein geistlos-heidnisches
Spektakel ab, das viele Menschen aus Unkenntnis einfach mitmachen. Wollen wir die Kinder in den nächsten Tagen alleine durch eine Welt voller Pappskelette, Nougattotenköpfe, dämonischen Kürbissen und
Gruselfilmen schicken? Oder wollen wir den christlichen Kern des Festes wiederentdecken? Ist das nicht besser? Nicht nur den Kopf schütteln, sondern Gott loben, wie es im Hallelujavers zum Gedenktag der Heiligen
heißt: "Singet dem Herrn ein neues Lied; die Gemeinde der Heiligen soll ihn loben." Wollen wir es nicht lieber tun? Wir werden alle Skelette, alle Gespenster und grinsenden Kürbisse in der Kirche
sammeln. Und dann werde ich zeigen, daß Christus den Tod, die bösen Geister und die Angst besiegt hat. Christus ist stärker als sie. (Und so ganz nebenbei: Christus ist stärker als die Halloween-Industrie!) Wir
werden das Hauptlied des Tages singen mit Paul Gerhard
"Ist Gott für mich so trete / gleich alles wider mich; / so oft ich ruf und bete, / weicht alles hinter sich. / Hab ich das Haupt zum Freunde
und bin geliebt bei Gott, / was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?
Die Welt, die mag zerbrechen, / du stehst mir ewiglich; / kein Brennen, Hauen, Stechen / soll trennen dich und mich; / kein
Hunger und kein Dürrsten, / kein Armut, keine Pein, / kein Zorn der großen Fürsten soll mir ein Hind´rung sein.
Kein Engel, keine Freuden, / kein Thron, kein Herrlichkeit, / kein Lieben und kein Leiden, /
kein Angst und Fährlichkeit, / was man nur kann erdenken, / es sei klein oder groß: / der keines soll mich lenken / aus deinem Arm und Schoß!"
Ist das nicht großartig aktuell? Halloween 2004 -
Gedenktag der Heiligen.
Wenn ich die beiden letzten Verse von Paul Gerhardt mal mit meinen Worten wiedergebe, dann heißt das: Mag der Sozialstaat zerbrechen, mag die Sorge in mir brennen, mögen sie
alle auf mich einhauen und -stechen! Nichts trennt mich von Christus! Kein Hunger nach Liebe, keine peinliche Befragung im Hartz-IV-Fragebogen, kein Zorn von Politikern und Diktatoren soll mich daran hindern, bei
Jesus zu bleiben.
Kein böser Engel, keine Freude über den Schaden andere, keine Herrschaft des Bösen in mir, kein Herrlichkeiten in den Schaufesntern und Katalogen, kein zerbrochenes Lieben, kein Leiden an
meiner eigenen Kälte, keine Angst vor der Zukunft, keine Gefahren aus der Umwelt . . . was auch immer man sich ausdenken kann - sei es klein oder sei es groß - NICHTS!!!! NICHTS!!! soll mich fortziehen von Jesu
Arm und dem Schoß Gottes, meines Vaters.
|